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                                                                 Über die Meditation im Aikido

Jeden Samstag vor dem Training sitzen wir für eine halbe Stunde im Stil der Zen-Meditation zusammen. Was hat Aikido mit Meditation zu tun, muss das sein? Genügt nicht das "eigentliche" Training?

Es ist grundsätzlich dazu zu sagen, dass O-Sensei Ueshiba täglich meditiert hat und sein Aikido aus seiner tiefen Beschäftigung mit dem innersten Selbst hervorgegangen ist. So kann man sich wundern, dass in vielen Gruppierungen im "modernen" Aikido anscheinend dafür kein Platz ist, bzw. es als nicht wichtig angesehen wird. Wir können also genau umgekehrt fragen, wie können Aikidoka das Aikido verstehen lernen ohne zu meditieren? Selbstverständlich ist ein Aikidotraining ohne diese Beschäftigung möglich und kann bis auf ein hohes Niveau gebracht werden. Aber die eigentliche Lebendigkeit und das innere Wesen werden nie erfasst werden können. Beim Aikido wird es eigentlich jedem bald klar, dass allein das körperliche nicht alles zu erklären vermag, was man hier erfährt. Auch das Phänomen wird nicht erklärt, dass sehr gute Lehrer oft verhältnismäßig alt sind und sich vor den Jungen nicht zu verstecken brauchen. Woher nehmen sie die Fähigkeit sich so zu bewegen und es so lange auf der Matte auszuhalten? Gibt es eine geheime Energiequelle? Muss nicht eine innere Freude vorhanden sein, die als innerer Antrieb dient, um so viele Jahre Aikido unmittelbar vermitteln zu können und zu wollen?

Jeder soll für sich selber die Möglichkeit haben herauszufinden, was am Aikido besonders ist. Aber an der Diskussion über das Ki und die Meditation wird keiner vorbeikommen. Es gibt einige Aikidokas, die behaupten, dass es das Ki als Tatsache nicht gibt und alles mit physikalischen Gesetzen zu erklären sei. Aikido wäre reiner Sport, ohne sonstigen Bezug zu so genannten "übernatürlichen" Dingen. Übernatürlich ist das Ki ja auch nicht, nur ist es nicht auf den ersten Blick erkennbar und die Sinne dafür müssen wir erst schärfen. Das heißt aber noch lange nicht, dass es Ki nicht gibt!

Über Meditation sind viele Bücher geschrieben worden und man kann noch so viele lesen, man wird nie zu einer für einen selbst befriedigende Antwort kommen. Wenn man es wirklich wissen will, muss man es selber praktizieren. Im Zen wird gesagt, die Unterweisung sei praktisches Zeigen durch den Meister. Theoretisch sind die Grundlagen nicht zu erfassen. Aber wir sind abendländische Menschen und wollen auch unseren Verstand befriedigen. Und so ist es nicht unwichtig Dinge zu beschreiben oder zu lesen. Auch in der geistigen Welt soll der Verstand nicht ausgeschaltet werden. Aber für die geistige Welt brauchen wir einen anderen Zugangsweg als für die physikalische, uns geläufige Welt.

Dieser Zugangsweg wird uns ermöglicht durchs Meditieren. Die Meditation stellt ein Werkzeug dar, mit dem wir unser geistiges Auge schärfen können. Wir erwerben die Fähigkeit unsere tiefergelegenen menschlichen Schichten zu sehen und im Ganzen wahrzunehmen. Wir sind es nur gewöhnt die Welt als das zu sehen, was uns die Naturgesetze vorschreiben. Die Wissenschaft hat uns und unsere Umgebung analytisch zerstückelt und lässt als Wahrheit nichts anderes zu. (Obwohl man sagen muss, dass die moderne Physik und Mathematik sich ändern und Erkenntnisse hervorbringen, die durchaus Phänomene wie das Ki zulassen).  Aber was Wahrheit ist kann nicht so einfach erfasst werden. In der gesamten Menschheitsgeschichte waren immer die größten Fragen: woher kommen wir, wozu sind wir da und wohin gehen wir. Es stand in keiner Kultur jemals zur Debatte, dass es eine geistig wahrnehmbare Welt gibt. Auch in unserer Zeit sind das die Fragen, die die meisten Menschen am meisten bewegen.

Und so haben diese Fragen Meister Ueshiba dazu gebracht, die Bewegungen des Aikido als Ausdruck einer übergeordneten geistigen Kraft, zu entwickeln. Jeder hat die Möglichkeit diesen Weg zu gehen und diese Erfahrungen, natürlich mit unterschiedlichen Ausprägungen, zu erleben. Ohne eine Beschäftigung mit der geistigen Substanz durch die Meditation werden wir uns diese Dimension nicht erschließen können. Genauso wie die wirklichen Möglichkeiten des Ki, als Ausdruck dieser geistigen Kraft in der Welt, uns verborgen bleiben werden.

Die Ausgangsfrage muss also natürlich so beantwortet werden, dass es Aikido ohne Meditation geben und betrieben, aber die volle Dimension nie erfasst werden kann.

verfasst von Duncan Underwood